In unser vernetzen Welt nutzen insbesondere Jugendliche die Möglichkeiten der Kommunikation sehr intensiv, häufig sind ihnen und den Eltern aber die damit einhergehenden Gefahren für die Computer-, aber auch die persönliche Sicherheit nicht bewusst.
Chatten ist eine der meistgenutzen Kommunikationskanäle junger Menschen. Erwachsene sind oft von der Vielzahl der aufspringenden Fenster an den PC verwundert und wissen wenig damit anzufangen, wenn in kleinen Fenstern Texte erscheinen. Mit Hilfe von Chat- oder Instant-Messaging-Programmen werden nicht nur Nachrichten ausgetauscht, sondern auch Software, Musik und Videos.
Die Versendung kurzer Nachrichten mit den Chat-Programmen oder SMS/MMS mit dem Mobiltelefon geht häufig nur mit dem Wiederholen der Gespräche auf dem Schulhof einher. Es werden aber auch neue Bekanntschaften geschlossen. Die neuen Freunde können Schüler sein, mit denen man gleiche Interessen teilt, es können aber auch Menschen sein, die gezielt Kontakte mit Minderjährigen suchen. Eine Freundschaftsanfrage von einer 14-jährigen Elli aus Berlin muss man erst einmal mit Vorsicht annehmen, besonders wenn sie um ein Treffen bittet – leider kann sich dahinter ebenso ein böswilliger Schulkamerad oder auch ein Krimineller verbergen. Kinder und Jugendliche sollten deswegen möglichst schon in der Grundschule die Medienkompetenz erwerben, im Zweifelsfall eine Anfrage abzulehnen und vor allem mit Lehrern und Eltern darüber sprechen können, wenn ihnen Zweifel an der wahren Identität ihrer Kontakte kommen. Eltern sollten dann auch zuhören, die Kinder ernst nehmen und sich selber so weit in der Materie auskennen, dass die den Kindern auch helfen können.
Neben den kommunikativen Möglichkeiten moderner Vernetzung über Internet und Mobiltelefon, können aber auch Daten von einem PC zum anderen verschickt werden. Außerdem übermitteln sich die Jugendlichen gerne Links zu Internetseiten, die verbotene oder ungeeignete Inhalte enthalten. So werden Videos mit Gewalt- und pornografischen Inhalten ebenso verteilt, wie auch Links zu illegalen Tauschbörsen, wo man gecrackte Software oder Musik und Videos laden kann. Die Nutzung gecrackter Software, also Programmen, deren Kopierschutzmechanismen umgangen werden oder die mit gefälschten Lizenzschlüsseln versehen wurden, ist illegal. Deren Verteilung und Nutzung stellt einen Straftatbestand dar. Häufig ist derartige Software auch mit diversen digitalen Schädlingen verseucht. Seiten, die illegale Musik, Videos oder pornografische Bilder anbieten sind ebenfalls ein Herd verschiedener gefährlicher Software, die persönliche Daten, Kreditkarten- und Bankdaten ausspähen oder den PC zu anderen Zwecken fernsteuern.
Auch E-Mail-Konto- und Spieledaten werden von Kriminellen gerne genommen, denn auch damit lässt sich Geld verdienen.
Die Fernsteuerung entfernter Computer über das Internet ist eine weitere Funktion der Chatprogramme. Das ist nützlich, wenn man einem Bekannten aus der Ferne helfen kann; das ist aber andererseits gefährlich, wenn der Helfer unlautere Absichten hat oder wenn sogar wegen eines schlecht gesicherten Programms unbekannte uneingeladen die Kontrolle über einen Computer übernehmen können.
Selbst die in der Regel vorhandene Webcam sollte man mit Bedacht nutzen. So kann es vorkommen, dass diese aus der Ferne eingeschaltet wird, was nicht unbedingt durch eine kleine LED an der Kamera angezeigt wird. Oder Jugendliche werden von Fremden aufgefordert, die Kamera einzuschalten. Viele Nutzer kennen die Einladungen von Menschen, die sich exhibitionistisch präsentieren möchten oder kostenpflichtige Videochats mit professionellen Damen anbieten.
Den wichtigsten Grundschutz bieten neben dem Wissen um Gefahren der vernetzten Welt vor allem aktuelle Virenscanner. Aber auch diese bedürfen einer Wartung und sollten niemals nolens volens ausgeschaltet werden, zum Beispiel, weil gerade etwas nicht funktioniert oder weil das Abo abgelaufen ist. Kostenpflichtige Virenscanner schützen nämlich in der Regel für ein Jahr, dann werden keine neuen Virensignaturen oder Updates mehr ausgeliefert. Dafür bieten sie im Gegensatz zu kostenlosen Versionen häufig auch Funktionen, die die Gefahren durch Chatprogramme abwehren.
Da auch die Chatsoftware von den Herstellern immer aktualisiert wird, insbesondere wenn sich herausstellt, dass sie Sicherheitslücken enthalten, müssen auch diese immer auf dem neuesten Stand sein. Das ist lästig und man kann mit Multi-Instant-Messaging-Programme die Kommunikation mit verschiedenen Chat-Programmen zusammenfassen, so dass man nur noch ein Programm benötigt.
Außer mit diesen speziellen Programmen erfolgt viel Kommunikation natürlich auch über unzählige Foren im Internet und in sozialen Netzwerken, wie Facebook, StudiVZ und SchülerVZ. Hier gelten selbstverständlich die gleichen Vorsichtsmaßnahmen.
Da Chat-Programme für jedes Betriebssystem, egal ob Windows, Linux, Apple und Mobiltelefone erhältlich sind und auch mit eingeschränkten Benutzerrechten laufen, sollte man die Computerrelevanten, wie auch die realen Gefahren ernst nehmen. Lehrer, Erzieher, Pädagogen und Eltern sollten sich vorurteilsfrei über die Möglichkeiten der modernen Kommunikation und deren Gefährdungen informieren. Die Kinder selbstverständlich auch.
Die Arbeitsgemeinschaft comp@ss bietet Medienkompetenzunterricht an Schulen an, die Kinder erhalten bei erfolgreichem Abschluss ein Zertifikat. Das Netti 2.0 ist Berater für comp@ss im Bezirk Steglitz-Zehlendorf.
www.compass-deutschland.net
[Thomas Siems]