Tipp 16 – Typografische Grundlagen, stilistische Tipps

 

Den Stil eines Dokuments, egal ob für eine Bewerbung, E-Mail oder in Internetforen, kann man mit ein paar typografischen Grundlagen verbessern.
Da die meisten Menschen mit der Kommasetzung Schwierigkeiten haben, fallen falsch gesetzte Kommata kaum auf. Aber durch konsequent richtig gesetzte Satzzeichen und ein paar stilistische Grundlagen kann man jedes Dokument aufwerten.
Typografische Grundlagen können am PC häufig nicht so umgesetzt werden, wie das ein gelernter Typograf gerne hätte. Das liegt daran, dass in den Zeichensätzen, die uns am Computer zur Verfügung stehen, nicht alle Zeichen vorhanden oder schwer zu erreichen sind.
Ein paar wichtige Regeln stellen wir hier vor.

 

Typografische Grundlagen

 

Falsche Leerzeichen

Zwischen dem letzten Buchstaben eines Wortes und einem Satzzeichen steht kein Leerraum, ein falsch gesetztes Leerzeichen wird als Plenk bezeichnet. Drastischer bezeichnet man falsche Leerzeichen zusammengesetzter Substantive auch als Deppenleerzeichen. Zum Beispiel ist „Foto Laden“ falsch, richtig muss es „Fotoladen“ geschrieben werden. Ausnahmen stellen Worte aus fremden Sprachen dar, sie werden beibehalten, zum Beispiel „photo shop“.

 

Das schmale Leerzeichen

Das schmale Leerzeichen, das in verschiedenen typografischen Zusammenhängen (siehe weiter unten im Text) verwendet wird, steht auf dem PC normalerweise nicht zur Verfügung. Ersatzweise nimmt man das geschützte Leerzeichen, das man bei vielen Programmen durch Halten der Tasten STRG und der Hochstelltaste und Drücken der Leertaste erzeugt.

 

Das geschützte Leerzeichen

Das geschützte Leerzeichen erzeugt man in den meisten Textverarbeitungsprogrammen der Windows-Welt durch Drücken von STRG + Hochstelltaste + Leertaste. In manchen Programmen wird auch ALT + Leertaste verwendet; das ist aber ungünstig, weil damit normalerweise das Systemmenü eines Programmes aufgerufen wird. In seltenen Fällen findet die Tastenkombination STRG + Leertaste Verwendung.
Alternativ kann man auch die ALT-Taste gedrückt halten und auf dem Ziffernblock 0160 eingeben.
MacOS-Anwender können das geschützte Leerzeichen mit ALT + Leerzeichen erzeugen, Linux-Nutzer mit COMPOSE und zweimaligem Drücken der Leertaste. COMPOSE wird auf Windows-Tastaturen in der Regel mit der rechten Windows-Taste, auf Apple-Tastaturen mit der rechten CMD-Taste erzeugt.
Besonders bei erzwungenem Blocksatz ist die Benutzung des geschützten Leerzeichens zur besseren Darstellung sehr wichtig.

 

Punkt und Komma

Fast jedes Satzzeichen steht direkt nach dem letzten Buchstaben des vorangegangenen Wortes; die Satzzeichen Komma und Punkt sind die bei weitem häufigsten. Nach dem Satzzeichen steht ein Leerzeichen, bevor das nächste Wort geschrieben wird.
Ausnahmen:
Bei Zeit-, Größen- oder Mengenangaben, zum Beispiel 20.15 Uhr, 12,50 € oder 42,30 m,verwendet man keinen Zwischenraum nach Komma oder Punkt. Ordnungszahlen, zum Beispiel „1. Gewinner“, werden vom nächsten Wort typografisch richtig von einem Zwischenraum von der Hälfte einen normalen Zwischenraums getrennt. Diesen gibt es auf der PC-Tastatur aber nicht, weswegen man hier eine geschütztes Leerzeichen verwenden sollte. Das geschützte Leerzeichen wird bei OpenOffice, SoftMaker Office und Microsoft Word durch Halten der Tasten STRG und der Hochstelltaste und Drücken der Leertaste erzeugt.

 

Klammern

Im Gegensatz zu den meisten Satzzeichen darf nach einer öffnenden Klammer kein Leerzeichen stehen, die schließende Klammer verhält sich wie andere Satzzeichen, z. B. (zum Beispiel).

 

Anführungszeichen

Im Deutschen verwendet man für die wörtliche Rede oder bei Zitaten Anführungszeichen. Das öffnende Anführungszeichen schreiben die meisten Programme automatisch. Sollte das nicht der Fall sein, kann man das Zeichen durch Halten der ALT-Taste und drücken der Ziffernfolge 0132 auf dem Ziffernblock der Tastatur erhalten.

 

Ellipse, Auslassungspunkte

Eine Ellipse ist auf einer normalen Tastatur nicht vorhanden. Man erzeugt dieses Satzzeichen durch Halten der ALT-Taste und Drücken der Ziffern 0133 auf dem Ziffernblock. Ein weiterer Punk entfällt, andere Satzzeichen werden nach einem (geschützten) Leerzeichen gesetzt.
In der Regel symbolisiert die Ellipse ausgelassene Worte. In diesem Fall steht vor der Ellipse ein schmales, respektive geschütztes, Leerzeichen. Zum Beispiel: Letzten Endes war alles nur der Anfang …
Wenn die Auslassung den Rest eines Wortes andeuten soll, wird es direkt an den Wortanfang gesetzt. Zum Beispiel: Er ist ein krummer H… , der sich nicht an Absprachen hält.
Wird bei Zitaten etwas ausgelassen, muss das gekennzeichnet werden. Dazu verwendet man eckige Klammern mit eingeschlossener Ellipse. Zum Beispiel: „Das Netti 2.0 befindet sich im Hindenburgdamm 85 […] und bietet EDV-Schulungen an.“.

 

Apostroph, Auslassungszeichen

Der Horror eines jeden sprachinteressierten Menschen ist die falsche Benutzung des Apostrophs. Der Apostroph wird nicht nur oft falsch verwendet, sondern auch noch falsch geschrieben. Das Zeichen befindet sich auf einer Standardtastatur auf der Rautetaste, neben dem A-Umlaut und wird mit der Hochstelltaste + Rautetaste erzeugt. Die rechts neben dem ß liegenden Zeichen werden in der deutschen Sprache gar nicht verwendet.
Als Bindezeichen zwischen einem Wort und einem Plural-S kommt das Auslassungzeichen auch nicht in Frage; Auto's statt Autos ist nicht nur unnötig kompliziert geschrieben, sondern vor allem eins: falsch.
Der Apostroph kennzeichnet das Weglassen eines Vokals oder einer Silbe. Und man verwendet es hinter Eigennamen, die auf s, z oder ß enden. Beispiel: Thomas' Bass.

 

Zahlen und Ziffern

Zahlen werden entweder ausgeschrieben oder durch Ziffern dargestellt. Zahlen geben eine Größe oder Menge in Bezug auf eine Einheit oder Menge an.
Eine Gliederung bei großen Zahlenangaben kann durch Trennung in Dreierblöcken erfolgen. Die Benutzung von Punkten oder anderen Zeichen außer dem (geschützten) Leerzeichen ist dabei nicht vorgesehen. Typografisch richtig wäre die Benutzung eines schmalen Leerzeichen, das aber im Schriftsatz eines Computers nicht vorhanden ist. Als Ausnahme kann man bei Geldbeträgen, der besseren Kontrollierbarkeit wegen, solche Trennzeichen verwenden.
Beispiele: 10 000 schwere Presslufthämmer schweben lautlos über'm Sumpf. Die Bank verzockte 23.586.198,45 € ihrer Kunden.

 

Bindestrich, Gedankenstrich, Minuszeichen

Binde- und Gedankenstrich sind zwei unterschiedliche Satzzeichen. Wenn man diese nebeneinander schreibt, wird das gleich deutlich: - –. Der Gedankenstrich liegt höher und ist breiter als der Bindestrich. Viele Programme erkennen den Gedankenstrich daran, dass dieser ein Leerzeichen davor und dahinter hat, während der Bindestrich Worte verbindet und deswegen kein Leerzeichen verwendet. „Computerprogramme und -Software können synonym verwendet werden.“ verwendet den Bindestrich. „Das ist – mit Verlaub – Unfug.“ fügt einen Gedanken in einen Satz ein. Den Gedankenstrich erzeugt man, sofern das Programm das nicht selbstständig erkennt, durch Halten der ALT-Taste und Drücken der Ziffernfolge 0150 auf dem Ziffernblock. Da es auf der Computertastatur kein Minuszeichen im typografischen Sinn gibt, verwendet man ersatzweise den Bindestrich.

 

 

Zusammengesetzte Substantive

Dinge und Sachen werden oft durch Zusammensetzen zweier oder mehrerer Wort bezeichnet. Ein zusammengesetztes Substantiv sollte aber auch zusammen geschrieben werden, sonst hieße es auch Brat Kartoffel oder Wasser Eimer; das ist aber dann kaum verständlich. Wenn in einer fremden Zunge Worte getrennt geschrieben werden, wird das auch in einem deutschen Text beibehalten, wie in dem Beispiel „photo shop“.

 

Sonderzeichen in Webseiten

Wie man Sonderzeichen in HTML-Text einbindet, kann man in der Bibel der Webseitenhilfen, SelfHTML, nachlesen. Grundsätzlich lasse sich alle Zeichen, die man in einem Textdokument darstellen kann, auch auf Internetseiten realisieren.

 

Die Wortwahl

Neben der richtigen Verwendung von Typografie, sollte man auch falsche, unvollständige oder umgangssprachliche Worte und Sätze vermeiden.
Das Wort „kriegen“ sollte man nicht benutzen, sondern „bekommen“ oder „erhalten“ schreiben. Mengen- und Größenangaben sollten niemals verkürzt werden. Man schreibt nicht: „Das kostet 3,50“. Sondern: „Das kostet 3,50 €.“
Die Stadtteilzeitung ist nicht umsonst, sondern kostenlos oder gratis, denn vergeblich, die eigentliche Bedeutung von umsonst, ist sie ganz sicher nicht.
Und dieser Artikel mag Ihnen seltsam oder merkwürdig vorkommen, komisch ist er jedenfalls nicht. „Komisch“ sollte man nur im Wortsinn von „lächerlich“ verwenden.
Ein Restaurant in Steglitz wirbt damit, dass alle Pizzas (was ebenso erlaubt ist wie Pizzen) 3,50 € kosten. Das wäre sehr schön, aber gemeint ist wohl, dass jede Pizza für den Preis zu erhalten ist.
Eine Zahl ist eine Zusammensetzung von Ziffern. Die Ziffernfolge 42 kann etwas anderes bedeuten als die Zahl 42, zum Beispiel als Mengenangabe im Gegensatz zu eine Folge von Ziffern, die man am Geldautomaten eingeben muss.
Häufig sind die Unterschiede zwischen „als“ und „wie“ unklar, wenn es um Vergleiche geht.  Steigerungen verlangen immer „als“. Etwas ist größer als das andere, aber gleich groß wie jenes.
Manche Worte lassen sich nicht steigern, wie zum Beispiel „einzig“ oder „optimal“. Auch hört und liest man selbst in seriösen Medien, dass jemand die „bestangezogenste Person“ oder dass Thriller das "meistverkaufteste Album" sei. Natürlich kann man weder angezogen noch verkauft steigern.
In manchen Gegenden ist die Benutzung des Hilfsverbs „tun“ verbreitet, aber es gibt auch die hilfreiche Eselsbrücke „Tun tut man nicht benutzen.“, weil das umgangssprachlich ist.
Leider ist auch der Genetivgebrauch immer mehr auf dem Rückzug. Besonders bei der Verwendung von „wegen“. „Wegen des Regens hatte ein Zug Verspätung“, nicht wegen dem Regen.
Die Eselsbrücke „Wer brauchen nicht mit zu gebraucht, ist zu gar nichts zu gebrauchen.“ hat wohl jeder in der Schule gehört. Brauchen wird also immer mit zu benutzt.

Ein Schreiben, gleich welcher Art, sollte selbstverständlich immer höflich und eindeutig sein. Eine entsprechende Anrede versteht sich von selbst, auch wenn im Zeitalter der Unverbindlichkeit E-Mails oft keine oder eine kumpelhafte Anrede verpasst bekommen. Neben der persönlichen Ansprache sollte eine E-Mail immer mit kompletter Anschrift des Kontaktes erfolgen und mit einer Grußformel enden.
Im Geschäftsbereich gelten neben diesen Umgangsformen auch rechtliche Regeln, da eine E-Mail eben auch ein Dokument im juristischen Sinne darstellt.
Eindeutigkeit ergibt sich meistens schon durch die richtige Verwendung der Typografie. Jedes Dokument sollte man sich vor dem Abschicken oder Ausdrucken immer noch mal durchlesen und sich dabei selber fragen, ob dem Angesprochenen alle Sachverhalte klar sein können.

 

Linkliste, Programmtipp, Buchtipp

Bastian Sicks Kolumne Zwiebelfisch erklärt viele Kuriositäten und Fallstricke der deutschen Sprache sehr unterhaltsam. Nicht nur für Schüler sind die Webseiten-Empfehlungen der Giesensdorfer Grundschule interessant, wo man  sich das Wissen über Rechtschreibung aneignen oder auffrischen kann.
Eine Hilfe zur Eingabe von Sonderzeichen und ein freies Wörterbuch runden unsere Linkliste ab. Die Zeichen, die eine Schriftart darstellen kann, können Sie mit dem Programm Zeichentabelle einsehen, das Sie unter Start – (Alle) Programme – Zubehör – Systemprogramme finden.
Und sehen Sie doch mal wieder in den Duden – dort findet man auch im Zeitalter des Internets immer noch eine schnelle und kompetente Hilfe.

 

 

[Thomas Siems]
Dieser Tipp stammt in Auszügen aus Schulungsmaterial von Biermann + Siems, das dem Netti 2.0 zur Verfügung gestellt wurde.