Ohne es zu wissen, hinterlassen wir jeden Tag eine Unmenge Daten, die wir selber kaum kontrollieren können. Den meisten Menschen ist klar, dass sie mit Kundenkarten ein Kaufprofil offenlegen. Die Kundenkartenfirmen verkaufen die Informationen zur gezielten Werbung. Dabei ist der Nutzen für die Kunden meist sehr gering, wie von Verbraucherverbänden immer wieder festgestellt werden muss. Das gleiche gilt natürlich ebenso für EC- und Kreditkarten. Ihre Bank weiß sehr genau, wo sie regelmäßig einkaufen, on- wie offline.
Unsere Mobiltelefone hinterlassen ebenfalls eine Unmenge an Spuren. Sobald sie eingeschaltet werden, weiß der Netzbetreiber, wo wir uns aufhalten und kann Bewegungsprofile erstellen. Hersteller diverser Apps wissen durch die in den meisten Smartphones vorhandenen GPS-Empfänger ebenfalls sehr genau wo wir sind, wenn wir das nicht schon bei Facebook, Google+ oder anderen sozialen Netzwerken selber online mitgeteilt haben. Wen wir regelmäßig anrufen ist der Telefongesellschaft genauso bekannt und erlaubt allerlei Rückschlüsse. Wenn dritten Firmen die Daten gegeben werden, ist das ein schwerer Datenschutzskandal. Aber auch das ist schon vorgekommen.
Manchmal bedeutet die Auswertung öffentlich zugänglich gemachter Daten eine Gefahr, die früher von Kriminellen aufwändig vor Ort erledigt werden musste. Teilt man in sozialen Netzwerken mit, dass man sich gerade im Urlaub oder im Café am anderen Ende der Stadt aufhält, steht die Wohnung im Moment wohl gerade leer. Keine Einladung, aber ein Hinweis für Einbrecher. Und wann schalten Sie ihren WLAN-Router ein? Wenn der nur eingeschaltet ist, wenn Sie sowieso zu Hause sind, ist das genauso aussagekräftig, wie heruntergelassene Rollladen.
Die elektronischen Bauteile in einem Auto speichern so viele Daten, dass man mit entsprechenden Mitteln der Hersteller ein gutes Stück nicht nur der letzten Fahrt auslesen kann. Beim bordeigenen Routenplaner werden unter Umständen ganze Routen aus der Vergangenheit im Speicher behalten, die vor einem Verkauf selten vom Eigentümer gelöscht werden.
Moderne Kopierer können Informationen einer kompletten Firma enthalten, da sie in der Regel mit Festplatten ausgestattet sind, auf denen Kopien vor dem Druck abgelegt werden. Eine Löschung nach erfolgreicher Kopie muss häufig erst entsprechen konfiguriert werden.
Datensammeln hat in der Vergangenheit immer weitere Begehrlichkeiten geweckt; am bekanntesten, weil nicht lange her, sind die automatischen Kameras der Mautstellen auf unseren Autobahnen, die von der Polizei gerne zur Strafverfolgung genutzt würden. Oder die Websperren, die gegen Kinderpornografie vom BKA aufgestellt werden sollten und reflexartig von den Rechteverwertern der Film- und Musikindustrie gleich mit genutzt werden wollten.
Ein Wunschzettel bei ihrem bevorzugten Online-Shop lässt natürlich reichlich Rückschlüsse auf ihre Interessen zu. Und wussten Sie, dass ihr Blu-ray-Player mit Hilfe seiner Seriennummer identifizierbar ist? Zwar sind die zusätzlichen Inhalte zu Filmen oft interessant, den Anbieter interessieren aber vor allem ihre Sehgewohnheiten. Online hat, ebenso wie der Blu-ray-Player, jeder Rechner, jedes Mobiltelefon mindestens eine identifizierbare Nummer, die sogenannte IP-Adresse. So hinterlassen Computer und Telefone eindeutige Spuren. Anonyme Internetnutzung ist ein Mythos, der gerne von Politikern ins Feld gebracht wird.
Aber auch einfache Dokumente, Bilder, Musik und viele andere Dateien können persönliche oder geschäftliche Informationen enthalten und sollten kontrolliert werden. Hier ist vor allem das Gewerbe gefragt, weil vielen Firmen gar nicht bewusst ist, was man alles durch mangelnde Kontrolle verraten kann.
Bilder speichern als sogenannte Exif-Daten allerlei Informationen zu Bildern. Wenn man geografische Informationen eingibt oder die Kamera das selbstständig macht, lassen sich durch Datum und Uhrzeit sehr einfach Bewegungsprofile erstellen. Bei Google Picasa werden geografische Daten gleich in einer Karte angezeigt. Ob die Informationen bei anderen Anbietern gelöscht werden, wenn man die Bilder dort lädt, kann man nicht erkennen. Deswegen sollte man Exif-Daten vor dem Laden löschen. Das kann zum Beispiel das kostenlose Programm XNView. Neben den EXIF-Daten können Bilder weitere Informationen enthalten, insbesondere IPTC. Auch diese kann das Programm aus Bildern entfernen.
Sogar die intelligenten Stromzähler, die in immer mehr Haushalten installiert werden, geben Auskunft darüber, welche Geräte benutzt werden. Auf Grund des Stromverbrauchs kann der Stromanbieter erkennen, ob man zu hause ist, ob man sich seine Mahlzeiten mit der Mikrowelle oder mit einem Herd zubereitet oder wann man staubsaugt. Sogar die Fernsehgewohnheiten lassen sich feststellen. Ein Fernseher verbraucht eine unterschiedliche Menge Strom, je nachdem ob viele helle oder dunkle Inhalte dargestellt werden. Forscher der FH in Münster konnten anhand des unterschiedlichen Stromverbrauchs im Laufe des Films feststellen, welcher gerade gesehen wurde. Es mussten nur Verbrauchskurven der Filme erstellt werden.
Tröstlich ist für uns in der modernen, digitalen Welt vor allem, dass die Menge an Daten und insbesondere deren Analyse aufwendig und teuer ist. Man sollte seine Spuren aber dennoch minimieren und sich Gedanken machen, wem man wie viel über sein privates Leben offenlegen und welche geschäftlichen Informationen man schützen möchte.
[Thomas Siems]