Internetforen und PC-Magazine sind voll von Tipps, wie man seinen Rechner schneller und besser machen kann. Dazu gibt es als Dreingabe dann noch randvolle CDs mit Dutzenden Programmen, die alle helfen wollen, dass der PC besser wird.
Die gute Nachricht vorweg: die meisten Programme schaden dem Rechner nicht. Die schlechte Nachricht ist aber auch in einem Satz zusammengefasst: sie nützen auch nichts.
Seit der Einführung der sogenannten Registrierdatenbank als zentrale Stelle der Windows-Betriebssysteme seit Windows 95 um Programmeinstellungen zu verwalten, ranken sich Mythen und Legenden um „geheime“ Schalter und Einstellungen, die Microsoft den Anwendern vorenthält, ganz als würde der Hersteller seinen Kunden einen schnellen PC vorenthalten wollen.
In der Tat sind einige Einstellungen in früheren Versionen zum Teil anders behandelt worden als bei den modernen Windows-Vertretern XP und Vista. Zum Beispiel wurden früher tatsächlich installierte Schriftwarten bei Betriebssystemstart mitgeladen. Das ist inzwischen schon lange nicht mehr der Fall, aber den Tipp, dass man nur benötigte Schriftarten installieren solle, ist immer mal wieder zu finden.
Die meisten Ratschläge werden durch Erklärungen, was sich technisch hinter diesen verbirgt, gerechtfertigt. Allerdings sind Systembeschleunigungen unter 15 bis 20 Prozent nicht spürbar. Und das auch nur in bestimmen Situationen, da der Rechner in der Regel selten mehr als zehn Prozent ausgelastet ist.
Für die Benutzung von Aufräumprogrammen für die Registrierdatenbank spricht vor allem eine gewisse Systemsauberkeit, es wird kein unnötiger Ballast mitgeschleppt, auch wenn dieser, wie oben schon beschrieben, keinerlei Auswirkungen auf das Betriebssystem hat, wenn er nicht geladen wird. Aber das reine Gewissen beschleunigt PCs immer noch am besten. Die subjektive Wahrnehmung, dass ein Rechner schneller geworden ist und dass er gesäubert ist, macht ihn immer noch am schnellsten. So verkaufen sich die Systembeschleuniger ganz gut und sie finden auch immer Einträge, die aus der Registrierdatenbank und anderen Orten gelöscht oder verändert werden können. Aber wichtige Einträge werden nicht angefasst - schon um Auseinandersetzungen mit Kunden zu vermeiden, die nach der Benutzung solcher Werkzeuge vor einem unbenutzbaren Rechner sitzen.
Gerne wird auch das Defragmentieren als Systembeschleuniger angesprochen und empfohlen. Auch liegt zwar der Geschwindigkeitsgewinn unterhalb der Wahrnehmungsschwelle, allerdings ist bei einem Datenverlust die Wahrscheinlichkeit versehentlich gelöschte Daten wiederherstellen zu können bei defragmentierten Systemen deutlich erhöht. Auch hier gilt folglich: defragmentieren schadet nicht.
Eine tatsächliche Beschleunigung gibt es dann aber doch. Im BIOS lassen sich Einstellungen so wählen, dass bestimmte Prozeduren nicht abgefragt oder übersprungen werden, so zum Beispiel die Einstellung, dass nicht nach bootfähigen Medien in CD-ROM- und Diskettenlaufwerken gesucht werden soll. Durch geschickte Änderungen der, durchaus sinnvollen, Grundeinstellungen, kann man das Booten der Hardware manchmal um etwa 30 Sekunden verkürzen. Und nur eine Einstellung kann unter Umständen, nämlich wenn man viele Dateien lesen und schreiben muss, wie zum Beispiel bei Videobearbeitung, auch das Betriebssystem beschleunigen. Moderne Serial-ATA-Festplatten nutzen den sogenannten AHCI-Modus, wodurch besonders parallele Zugriffe sehr stark beschleunigt werden können. Leider ist das Umschalten vom üblichen IDE- in den AHCI-Modus wegen der aufwendigen Treiberinstallation nur versierten Nutzern zu raten.
Der PC ist auch nur ein elektronisches Arbeitstier. Wenn man ihm immer mehr zumutet, wird er unter der Last langsamer. Deswegen sollte man, nicht nur um einer höheren Leistung willen, genau überlegen, was man bei Start des Rechners wirklich braucht. Jeder Scanner und jeder Drucker, Digitalkamera und Webcam, Chat-Programme, Updatewächter und nicht zuletzt Systemüberwacher und -beschleuniger wollen alle schon beim Start mit dabei sein. Wenn Sie ihren Rechner entlasten wollen, überlegen Sie mal, welches dieser Autostartprogramme wirklich notwendig ist. Diese müssen vielleicht nicht alle automatisch geladen werden; und entlasten somit nicht nur das System, sondern vermindern das Risiko, dass viele Köche den Brei verderben, weil das eine oder andere Progrämmchen zum Absturz unter bestimmten Bedingungen neigt.
Oftmals wird ein System auch einfach nur deswegen langsamer, weil sich Schädlinge eingenistet haben. Überprüfen Sie Ihr System auch deswegen regelmäßig auf digitalen Viren-Befall. Neben einem obligatorischen Virenscanner, sollte man auch ab und zu nach weniger gefährlicher Grey-, Spy-, -Boss- und anderer Ware durchsuchen.
Defragmentieren Sie regelmäßig ihre Rechner, besonders wenn eine Datenrettung über Wohl und Wehe einer Firma, des Studiums oder einfach ihrer Bilder und Dokumente entscheiden könnte.
Benutzen Sie bekannte und bewährte Programme um ihr System sauber zu halten. Viele tolle Systemverbesserer sind von zweifelhaftem Nutzen oder sogar Schädlinge.
Lassen Sie die Finger weg vom BIOS, wenn Sie nicht absolut sicher sind, das Richtige zu machen.
Fassen Sie die Registrierdatenbank nicht an, wenn Sie nicht auch hier ganz genau wissen was Sie tun.
Und vor allem. Lassen Sie nie einen 'guten Freund, der sich mit Computern auskennt' an ihren Rechner. Das Verschlimmbessern durch gute Freunde, Verwandte und Bekannte dürfte einer der häufigsten Gründe für Datenverluste im privaten Bereich sein. Das Gute-Freunde-Syndrom kann nicht zuletzt auch Freundschaften belasten.
[Thomas Siems]